Ein Dorf im Wandel
DIE GESCHICHTE VON TÄLLEKULLEN
Tällekullen ist ein kleines Dorf im Nordosten Smålands, das manchmal als das vergessene Dorf bezeichnet wurde. Durch den Ort verläuft die Gemeindengrenze zwischen den Gemeinden Linneryd und Hovmantorp.
Tällekullen ist ein kleines Dorf im nordöstlichen Småland, das manchmal das "vergessene Dorf" genannt wurde.
Da hier genau die Gemeindegrenze zwischen den beiden Gemeinden Linneryd und Hovmantorp verlief, lag der kleine Hof am Rand der beiden Gemeinden und war deshalb schwer zugänglich. Aus diesem Grund war niemand am Hof interessiert.
So errichtete man hier Soldatenquartiere, möglichst weit weg von den größeren Dörfern Skogsryd und Ormeshaga, da man per Gesetz verpflichtet war, die in der Nähe einquartierten Soldaten mit einer gewissen Menge an Kartoffeln, Getreide usw. zu versorgen. Das Gebiet, in dem die Soldatenquartiere errichtet wurden, wurde Dorf Tällekullen genannt. Der erste Soldat zog 1782 in "Skogsryd Backagård" – heutiges Borgholmen – ein und hieß Sven Stake.
Das zweite Soldatenquartier, "Ormeshaga Lillegård", bekam seinen ersten Soldaten, Johannes, ungefähr 1800.
Danach begann ein interessantes Zeitalter für Tällekullen.

Von 1801 bis 1806 gab es in Schweden eine Landreform ("enskiftereformen", wrtl. Teilungsreform). Die Dörfer wurden aufgeteilt, so dass mehr Land von Kleinbauern und Kätnern bewirtschaftet werden konnte. Das bedeutete für Tällekullen, dass etliche kleine Katen erbaut wurden und neue Haushalte entstanden. Die Familien in den Dörfern waren groß und wohnten mit vielen Kindern auf engem Raum. Es gab eine große Bevölkerungsexplosion, und die größte Anzahl Familien, die in Tällekullen wohnten, waren 10, mit insgesamt ca. 100 Personen (1875). Zur gleichen Zeit gab es mit ca. 4000 Menschen die größte Bevölkerungszahl in der Gemeinde Linneryd.
1827 gab es die Reform "Laga skifte" = "große Teilung". Sie hatte große Bedeutung und veränderte die Landschaft in Småland. Die Häuser wurden auf ein größeres Gebiet verteilt, die Felder aufgeteilt und die Landvermesser hatten das Recht, auf das Verlassen der Höfe zu bestehen, um eine rationellere Landwirtschaft möglich zu machen. Dadurch fielen die Dörfer auseinander und ebenso ging der Zusammenhalt zwischen den Dörfern verloren.
Das galt nicht für Tällekullen, was ein Glück war. Das kleine Dorf lag in zwei Gemeinden, es gab keine Großbauern, eine Aufteilung wäre sehr kompliziert gewesen und niemand war interessiert. Deshalb sieht das Dorf heute noch genauso aus wie es immer ausgesehen hat.
Das Bevölkerungswachstum kam zum Stillstand. Das bisschen, was der Platz neben der Kate hergab, reichte nicht aus, um sich zu versorgen. Man war zum größten Teil Selbstversorger, was Essen, Heizung und Wohnung betraf, und hatte nur ein sehr geringes Einkommen. Man bekam wohl einige Reichstaler, wenn man ein Kalb, eine Ziege oder manchmal einen Fuchspelz auf dem Markt in Linneryd und Eriksmala verkaufte. Trotzdem war es schwer zu überleben und die Menschen begannen aufs Festland zu ziehen. Die große Auswanderung nach Amerika begann. Carl Wilhelm Gabrielsson wanderte am 24.10.1885 als erster von Tällekullen nach Amerika aus. Er landete zum Schluss in einer Gegend in Minnesota, in der sich schon viele Schweden angesiedelt hatten. Die Auswanderung führte zu einer deutlichen Abnahme der Bevölkerung in Tällekullen. Der letzte wanderte 1929 aus, und noch heute hat man guten Kontakt mit seinen Nachfahren in Amerika.
Jetzt sind die vier Gebäude des Dorfes übriggeblieben und alle sind so gut wie intakt.
Die Dorfgemeinschaft bekommt einen kleinen Zuschuss von der EU, um das Kulturerbe zu erhalten und das Dorf so aussehen zu lassen, wie es immer ausgesehen hat.
Zusammengestellt von av Daniel Noregran
Quellen: Das Auswanderermuseum, Interviews mit alten Dorfbewohnern und benachbarten Dörfern.

Borgholmen
Borgholmen stammt aus dem 18. Jahrhundert und war das Zuhause eines Soldaten im alten Dorf Tällekullen.
Der letzte Soldat, der in Borgholmen wohnte, war Soldat Borg, der hier mit seiner Frau und 13 Kindern lebte. Zu dieser Zeit bestand Borgholmen nur aus einem Zimmer und einer Küche. Im Jahr 1901 wurde in Schweden die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, wodurch das System der eingeteilten Soldaten endete. Danach wurde die Immobilie von einem Schreiner übernommen, der das Gebäude um zwei Räume erweiterte.
In den 1950er Jahren wurde die Immobilie von Elisabeth und Nore Johansson gekauft, die das Gebäude für eine Zeit lang vermieteten. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Immobilie von Elisabeths und Nores Sohn Sven Noregran gekauft und wird seitdem von Sven zusammen mit seiner Frau Elisabeth Noregran betrieben.
Borgholmen enthält noch heute interessante Spuren aus vergangenen Zeiten, wie zum Beispiel eine Arrestzelle, einen Kachelofen, einen Backofen und andere Gegenstände.
Heute wird Borgholmen als privates Wohnhaus von den Eigentümern des Hofes genutzt.